Alle meine Entchen: Landglück mit Laufenten (2)

Eine Muh, eine Mäh, eine Tätärätätä! Unweiger­lich schle­icht sich mir diese Melodie ins Ohr, wenn ich die Geschichten von Heike Pohl in ihrem Blog Landglück lese. Die freie Autorin lebt inmit­ten von Marschwiesen auf einem alten Hof in Schleswig-Holstein. Schafe, Ponys und andere »Viechereien« wach­sen dem Leser ebenso rasch ans Herz wie der wun­der­volle Garten. Ihre Fotos und Texte ver­raten einen genauen Blick für Details und ihre liebevolle Art, wie sie die Natur um sich herum betra­chtet und beobachtet.

Vor ger­aumer Weile kam Heike Pohl auf die Ente, vielmehr zwei Enten. Hier im Blog erzählte sie uns in der ver­gan­genen Woche, wie es dazu kam. Heute erfahren wir mehr darüber, wie die Enten bei Heike leben.

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Heike, wie leben die Enten bei Dir? 

Für die Küken haben wir ein ehe­ma­liges Früh­beet (Größe ca. 5 Meter auf 2,50 Meter) zu einem Stall umfunk­tion­iert. Bis auf eine Höhe von etwa 30 Zen­time­tern besteht der Grun­driss aus senkrecht in den Boden versenk­ten und miteinan­der ver­bun­de­nen Stein­plat­ten. Das hat den Vorteil, dass sich weder Füchse noch Marder durch­wühlen kön­nen. Die Wände beste­hen aus Hüh­n­er­draht und das Dach aus Well­blech mit Über­stand. Das ganze ehe­ma­lige Früh­beet ist mit Sand aufge­füllt und zum Schutz der Enten und als Nachtquartier dient eine Hun­de­hütte aus Holz. Ein Stall also im Stall.

Über ein Brett mit „Hüh­n­er­tritt“ kön­nen sie nach draußen in ihren umzäun­ten Aus­lauf, wo ich eine große Regen­wanne einge­graben habe. In ihr befindet sich stets frisches Wasser. Die Tiere kön­nen darin baden, tauchen und trinken. Im Stall selbst befindet sich eben­falls eine Wasser­wanne, in der das Wasser regelmäßig aus­ge­tauscht wird. Und für die trock­e­nen Phasen im Jahr haben wir eine große Teich­wanne mit 500 Litern Vol­u­men im Garten einge­graben. Sie wird über einen Quellschlauch befüllt.

An den meis­ten Tagen baden und plan­schen die Tiere aber in den Gräben, die das Land durchziehen.

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

 

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Zu den Grundbedürfnis­sen der Laufen­ten gehören nach meinen Erfahrun­gen (und auch nach den Berichten anderer) aus­re­ichend Gele­gen­heiten zum Baden und Plan­schen. Die Enten reini­gen ihr Gefieder im Wasser und impräg­nieren es durch eine Fettdrüse, über die sie mit ihren Schnä­beln Fett im Gefieder verteilen. Sie ste­hen auf frisches Wasser, auch wenn sie mit jedem anderen Wasser Vor­lieb nehmen. Auch beim Füt­tern sollte immer genü­gend Wasser in der Nähe sein, weil sie sonst Gefahr laufen, zu ersticken.

Und dann brauchen sie Land und Freiraum – sie heißen nicht umsonst Laufen­ten. Pelle und Paule dehnen ihren Aktion­sra­dius Tag für Tag aus und unternehmen immer größere Aus­flüge. Das ist ganz in meinem Sinne, weil ich sie nicht unen­twegt in meinen Beeten haben möchte. Meine Enten ken­nen keine Zäune. Sie bewe­gen sich tagsüber gän­zlich frei und kehren Abend für Abend nach­hause zurück. Nach ihnen kann ich die Uhr stellen – um halb Fünf gibt es Fut­ter, dann marschieren sie frei­willig in den Stall.

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

 

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Das Fut­ter ist eine Mis­chung aus Hühnerkorn/-schrot, Dosen­mais, klein geschnit­tenem Eissalat, Bana­nen, Katzen­fut­ter, Nudeln, Reis, Kartof­feln, Eiern und was an Grünzeug in der Küche übrig bleibt. Ich mis­che und wech­sle ab. Sie bekom­men zur fes­ten Zeit ein­mal pro Tag ihr Fut­ter im Stall. Den Tag über sind die Tiere ständig selbst auf der Suche nach Fress­barem. Dazu gehört Gras, Enten­flott, Samen, Sch­necken, Würmer, Insek­ten, Frösche etc. …

Laufen­ten wer­den nicht wirk­lich zahm. D.h., sie wahren immer eine gewisse Dis­tanz, selbst dann, wenn man sie – wie ich – von Hand aufge­zo­gen hat. Es sind recht hek­tis­che Tiere die unbe­d­ingt ein ruhiges und aus­geglich­enes Gegenüber brauchen. Ist man selbst hek­tisch und unter Zeit­druck, ger­aten sie schnell in Panik und ren­nen dann buch­stäblich kopf­los durch die Gegend. So ver­hal­ten sie sich lei­der auch, wenn sie Nach­wuchs haben. Unsere Nach­barn berichten von Küken, die so „unter die Räder kamen“.

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Foto: Heike Pohl, landgluck.wordpress.com

Hält man mehr als zwei Enten, dann sollte das Ver­hält­nis der männlichen zu den weib­lichen Tieren stim­men. Zu viele Erpel sor­gen für Gang-Bang unter Fed­ern. Die Kerle sind richtig rabiat und stürzen sich oft zu mehreren auf die weib­lichen Tiere. Auch dabei kommt die eine oder andere Ente zu ihrem Ende. Also eher zwei bis drei weib­liche Tiere pro Erpel. Oder – wie bei mir – ein Erpel und eine Ente – ein Herz und eine Seele.

Ich möchte vor­erst nicht mehr als zwei Tiere. Setzt man Jungtiere ein, bleibt die Frage des Geschlechts offen. Ein zweiter Erpel würde für Ärger sor­gen. Und ein erwach­senes Tier wäre ver­mut­lich vor­erst das fün­fte Rad am Wagen. Aber vielle­icht lasse ich Pelle ein­mal brüten und sehe dann, was sich aus dem Nach­wuchs entwick­elt. Eine größere Anzahl Enten möchte ich nicht, da ich auch Blu­men– und Gemüse­beete habe und behal­ten möchte. Die Enten ken­nen keine Gren­zen, sind neugierig und hal­ten sich gerne auch in Haus­nähe auf. Da genügt mir der „Flurschaden“ von zwei Tieren.

Dankeschön, liebe Heike! In der näch­sten Woche geht es dann weiter mit unserer Reihe zum Landglück mit Laufenten. 

Unser Lesetipp dazu:

Hin­term Stall die Blu­men. Land­frauen und ihre Gärten. Britta Fre­ith. 2013. 192 S., 225 Farb­fo­tos, geb. mit Schutzumschlag.

ISBN 978–3-8001–7894-0. € 29,90

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Heike Pohl hat dieses Buch auch in ihrem Blog besprochen.

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  • Fiona Amann

    Ich wün­schte, mein Garten wäre größer, dann würde ich mir auch Laufen­ten zulegen.